Geschichte

Der idyllisch gelegene Ort Flecken Zechlin mit seiner ländlichen Atmosphäre ist einer der ältesten Erholungsorte der Mark Brandenburg. Der Name Zechlin (Szichalin) stammt wahrscheinlich aus dem Slawischen und bedeutet „Ort an zwei Seen“. Der Zusatz Flecken bezeichnete in historischer Zeit ein größeres Dorf mit einzelnen städtischen Rechten, so z.B. dem Marktrecht (daher auch Marktflecken genannt). Unser denkmalgeschützter Kossätenhof entstand etwa um 1890 und fügt sich harmonisch in den 800 Jahre alten Ortskern ein. Heute ist in den alten Hof neues Leben eingezogen.

Wappen von Flecken Zechlin

Wappen von Flecken Zechlin

Merian-Stich, 17. Jh.

 

Was sind Kossäten?

Kossäten lebten in den märkischen Dörfern neben den freien Hufenbauern (Hufe war der Anteil der einzelnen Bauernfamilie an der Gemeindeflur). Die Kossäten waren zum Teil slawischer Abkunft und besaßen nur kleine Höfe mit etwas Gartenland, wenig Vieh und höchstens einem Pferd. Manchmal hatten sie auch einen kleinen Anteil an den Beiländern, aber kein Anrecht an der Allmende (Gemeindeflur, Weide und Wald). Sie waren Kleinbauern und meist zusätzlich als Landarbeiter tätig oder auch als Dorfhandwerker (Krüger, Hufschmied, Hirt), weil der Ertrag als Bauer allein nicht für den Lebensunterhalt ausreichte. Diese mittelalterlichen Kleinbauern mussten entsprechend ihrer geringen Wirtschaftskraft nur geringe Abgaben leisten, beispielsweise etwas Geld und ein Huhn. Heute würde man die Kossäten wahrscheinlich als „Nebenerwerbslandwirte“ bezeichnen.

Krügers Haus

Neuanfang

Schon lange war es unser Traum irgendwann einmal von der Stadt aufs Land zu ziehen. Wir, das sind Susanne und Marc Behm. Von Köln aus erkundeten wir die nähere Umgebung, aber nichts erfüllte so richtig unsere Vorstellungen. Beruflich kam ich als Archäologin weit in Deutschland herum.  Einige Zeit nach meinem  Archäologiestudium erhielt ich eine Arbeitsstelle beim Bodendenkmalamt in Mecklenburg-Vorpommern, an der damals im Bau befindlichen Autobahn A 20. Während der Feldbegehungen wurde mir klar, dass diese weitläufige  Landschaft mit den vielen Seen und der dünnen Besiedlung genau der richtige Ort für uns wäre. Nach längerer Suche wurden wir im August 1999 schließlich stolze Besitzer des unter Denkmalschutz stehenden Kossätenhofes mit Wohngebäude, Scheune und drei Nebengebäuden (Stallungen). Den Hof erwarben wir von Familie Krüger, die bis zu diesem Zeitpunkt hier wohnte und die in ihr neu errichtetes Haus am Weinbergsring einziehen wollte. So übernahmen wir im Dezember 1999 kurz vor Weihnachten das alte Haus und Familie Krüger zog in ihr neues Haus. Auch in beruflicher Sicht war es für uns ein kompletter Neuanfang. Marc trat seine neue Arbeitsstelle in Berlin an und musste nun täglich pendeln. Ich gab meinen Beruf als Archäologin auf und wollte mich nun meinem Sohn Frederic, der damals 7 Monate alt war und der Restaurierung des Hofes widmen. Erspart hatten wir nichts, also fingen wir bei Null an.

Haus 1999

Wohnhaus im August 1999

Die Umbauphasen

Der Hof ist ein in sich abgeschlossener Vierseitenhof mit verschiedenen Gebäuden: Wohnhaus, ehemaliger Kuh- und Pferdestall, Scheune, ehemaliger Schweinestall, Taubenhaus, Hühnerhaus, und Backhaus. Zum Zeitpunkt der Übernahme war lediglich das Wohnhaus bewohnt, die Nebengebäude waren bis auf das Hühnerhaus mehr oder weniger ungenutzt.  Unsere Restaurierung beschränkte sich zunächst auf das Wohnhaus. Wir zogen im Dachgeschoss ein, wo es schon zu DDR-Zeiten zwei Ferienwohnungen gab, von denen wir eine bewohnten während wir unsere zukünftige Wohnung im Erdgeschoss renovierten. Hier wurden viele Lagen Tapeten abgerissen, die Wände mit Lehmputz bestrichen und geweißt, Dielen geschliffen und geölt bevor wir schließlich zu Ostern 2000 einziehen konnten. Bis zu Beginn der Sommersaison wurde auch noch unsere Ferienwohnung 1 im Erdgeschoss fertiggestellt. Die Wohnungen im Dachgeschoss vermieteten wir im folgenden Sommer zunächst noch im ursprünglichen Zustand. Schon ein Jahr später, im April 2001 wurde unser zweiter Sohn Sven geboren und es wurde noch turbulenter im Haus.

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Um die Ferienwohnungen im Dachgeschoss zu modernisieren und das Dach zu erneuern stellten wir einen Förderantrag und hatten tatsächlich Glück. Die Förderung aus dem Programm „Urlaub und Freizeit auf dem Lande“ wurde bewilligt. Im Winter 2002 konnten wir die beiden Ferienwohnungen 2 und 3 komplett sanieren und das Haus erhielt ein neues, gedämmtes Dach. Die Förderung enthielt auch die denkmalgerechte Restaurierung des um 1900 erbauten Backhauses und die Erneuerung des Gartenhauses (ehemaliger Hühnerstall) welches nun zur Bewirtung unserer Hausgäste und als Seminarraum genutzt werden konnte. Wie es immer so ist mit Förderprojekten, so waren auch hier Zeit und finanzielle Mittel knapp. Aber pünktlich zur Sommersaison 2003 konnten wir alle drei Ferienwohnungen, nun mit 4 Sternen bewertet, vermieten. Unser Geld und auch die Nerven waren erst einmal verbraucht, so gab es eine längere Pause, bevor wir uns weitere Aufgaben vornahmen.

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In der Zwischenzeit entstand unser Bauerngarten mit einer 15 m langen Feldsteintrockenmauer. Hier begannen wir alte Obst- und Gemüsesorten anzubauen und eine umfangreiche Kräutersammlung anzulegen. Das restaurierte historische Backhaus nutzten wir, um in den Sommerferien Back-Kurse „Brotbacken im Steinofen“ anzubieten, die dann auch gut besucht wurden. In der Saison 2007 eröffneten wir unser kleines Hoflädchen „Gutes aus Großmutters Zeit“, in dem wir seither Selbstgemachtes aus Kräutern und Beeren, hausgemachte Kuchen und Torten, sowie regionale Produkte aus der unmittelbaren Umgebung und ein kleines Sortiment an Bioprodukten anbieten.

Durch einen Urlaub in Schleswig-Holstein kamen wir auf die Idee, den ehemaligen Kuhstall in eine Heuherberge umzubauen. Im Jahr 2010 konnte das Angebot des Kossätenhofes durch die Errichtung einer Heuherberge und einer Sport- und Spielscheune mit Büchercafé erweitert werden. Das ehemalige Taubenhaus konnten wir schließlich im Jahr 2012 in ein Saunahaus umbauen.

Innenhof Bau

Die letzte Bauphase

Mit der Eröffnung unseres Hofladens, unseres Cafés und auch während der Fastenkurse nutzten wir unsere Privatküche bis zur Saison 2015 auch geschäftlich. Hier wurde geknetet, gebacken, gekocht, gemixt und abgewaschen. Marmeladengläser und Eingemachtes wurden beschriftet und etikettiert und Biokisten wurden wöchentlich hier gepackt. In unserem privaten Arbeitszimmer stapelten sich Aktenordner und „Papierkram“, die Bürokratie lässt grüßen. Da die Zahl unserer Gäste stetig gestiegen ist und wir inzwischen auch vier Mitarbeiterinnen beschäftigen, platzten Küche und Arbeitszimmer aus allen Nähten und eine Privatsphäre gab es kaum noch. Um diese Situation zu entspannen, entstand neben dem Hofladen, im Gebäude des ehemaligen Schweinestalles, im Winter 2014/2015 eine Gemeinschaftsküche, eine kleine Rezeption und ein Büro. Diese letzte Baumaßnahme auf unserem Hof wurde im Juni 2015 fertig gestellt.

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